Montag, 20. Juli 2015

Geschichten, die das Leben schreibt ...





Uli`s Leben nach einem Schlaganfall ...
... ich bin wieder zuhause!!! habe eine schlimme woche hinter mir und noch schlimmes vor mir. das wichtigste ist erst einmal, ich bin wieder zuhause.
3.09.2011 ... der tag der tage ...ich habe auf der schlaganfall-intensiv-station "stroke unit" gelegen und man hat in der woche alle untersuchungen bei mir gemacht, die nur möglich sind.

also mein gesicht ist rechtsseitig komplett gelähmt. meine augenbraue 
hängt tiefer und ist unbeweglich, mein auge muss befeuchtet werden,
weil es alleine nicht mehr schliesst und man bei austrockung sonst das
auge komplett verlieren kann (erblindet) ...
die rechte nasenseite ist gelähmt, die rechte wange ist gelähmt, meine 
rechte mundhälfte ist gelähmt, ebenfalls die zunge halb und der rachen.
ich kann nur sehr schlecht sprechen, schlecht essen, schlecht trinken 
...aus dem spiegel schaut mich ein völlig fremder mensch an ...
lähmung im arm ist zurückgegangen ... ich werde kämpfen und trainieren,
und nicht aufgeben!
ich will mein gesicht wiederhaben und einige von euch irgendwann
einmal wiedersehen ... einige möchte ich garnicht wiedersehen, denn ich
habe in den vergangenen tagen sehr gut erkannt, wem andere
menschen wichtig sind ... das waren nicht sehr viele!!! 
bis dahin passt auf euch auf!!!  ULI



Es sind jetzt fast 4 Jahre vergangen. Wie geht es mir jetzt? 
In diesen 4 Jahren hatte ich einiges zu tun, um wieder einigermassen 
zurecht zu kommen. Am Anfang war es richtig hart, denn da musste ich 
zweimal in der Woche zur Logopädie, zweimal zur Ergotherapie und wie 
nicht anders zu erwarten auch zur Psychotherapie, denn ich kam nicht
mehr mit mir zurecht, so wie ich plötzlich war. Also 5 Tage die Woche 
Schwerstarbeit. Das zog sich über Monate, Jahre ... heute habe ich noch
Ergotherapie und Psychotherapie. 

Mein Gesicht sieht bis auf 
Kleinigkeiten wieder normal aus, ich kann sprechen und normal essen. 
Beim sprechen verhaspel ich mich sehr oft, manchmal erfinde ich sogar 
ganz neue Wörter ... darüber kann man manchmal sogar noch lachen.

Die Ergotherapie hilft mir weiterhin dabei, meine Motorik zu stärken. 
Vieles bleibt, aber ich bin bemüht das es eben nicht wieder schlechter wird.

Die Psychotherapie brauche ich auch noch, weil ich ja nun doch noch 
Probleme mit mir habe. Ich bin eben nicht mehr der Mensch, der ich noch
vor 4 Jahren war. Meine Motorik ist nicht ganz so toll, ich habe gute 25 
Kilo zugenommen, laufe am Gehstock, teilweise auch mit einem Rollator 
durch die Welt. Aber ... ich komme klar. 

Vor diesem miesen Ereignis war ich ein lebenslustiger und fröhlicher
Mensch. Habe viele Sängerinnen und Sänger kennengelernt und 
Musikevents aller Art besucht. Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich 
tolle Menschen kennengelernt habe, aber auch ziemlich schräge Vögel,
smile ... 

Ich habe nach diesem miesen Ereignis den Mut gehabt, zwei oder 
dreimal ein öffentliches Event zu besuchen ... habe mich dabei aber ganz
und garnicht wohlgefühlt. Noch bis zum heutigen Tag ist es so, dass ich 
keine grossen Menschenmassen um mich ertragen kann. Wenn es sich
wirklich mal nicht vermeiden lässt, leide ich richtig. Das kann schon beim
Einkauf sein ... Ich habe Beklemmungen, Hemmungen, bekomme
Schweissausbrüche und würde am liebsten ganz schnell zurück in meine
eigenen vier Wände.



Lange belastbar? Nein, geht nicht.
Aber manchmal muss man sich ganz
doll zusammenreissen und über seine Grenzen gehen. Über meine 
Grenzen werde ich immer gehen,  wenn es um meine Familie geht.
Wenn es um meine Mutter geht, die mich in vielen Lebenslagen braucht.
Das ist meistens nicht einfach, aber ich werde für sie da sein, solange sie
mich braucht.




~ bald geht`s hier weiter ~ 

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